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Was ist passiert?

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat eine sogenannte „Kleine Anfrage“ an den Bundestag gestellt, darunter unter anderem die Abgeordneten Markus Tressel, Annalena Baerbock und Bärbel Höhn. Diese Anfrage bestand aus 44 Fragen.

Am 5. Februar wies die Bundesregierung in ihrer Antwort darauf hin, dass die Entwicklung touristischer Destinationen und ihrer Angebote nicht in ihrem Kompetenzbereich liegt, genauso wie das Finden von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Sie wies auf verschiedene Unklarheiten der benutzten Begrifflichkeiten hin, wie die Abgrenzung zwischen einem „Mittelgebirge“ und den „Alpen, dass eine „Reiseregion“ nicht „Naturregion“ ist und so weiter. Die Bundesregierung gibt an, dass viele der Fragen nicht zu beantworten sind, und lässt darum die meisten unbeantwortet. Zur Darstellung der Schneesicherheit bezieht sie sich auf eine Studie des Deutschen Alpenvereines sowie auf eine der OECD. Die meisten Fragen beziehen sich nicht auf die Schneesicherheit oder Wirtschaftlichkeit von Skigebieten oder sind auf den Alpenraum bezogen. Insgesamt umfasst das Dokument 68 Seiten.

Zur Entwicklung der Schneemenge gibt die Bundesregierung bekannt, dass diese durch eine hohe natürliche Variabilität gekennzeichnet sei und dass erst Zeiträume von 30 Jahren und mehr stabile Analysen zulassen. Und auf der Basis: „Für keine der Skiregionen in Deutschland zeigt die Anzahl der Tage mit einer natürlichen Schneedecke von mindestens 30 cm einen signifikanten Trend.“ Bedeutet: Keine Veränderung!

Sie gibt an, dass in einzelnen Skigebieten eine Abnahme der Schneesicherheit zu verzeichnen ist. Jedoch: „… im westlichen und zentralen Mittelgebirge (Sauerland, Harz, Rhön, Thüringer Wald, Fichtelgebirge) wurden keine signifikanten Änderungen der natürlichen Schneesicherheit registriert“.

Verschiedene Fragen beziehen sich auf hypothetische Werte, zum Beispiel die Veränderung der Schneesicherheit bei einer Temperaturerhöhung von 2 Grad. Bei der Antwort beruft sich die Bundesregierung unter anderem auf eine Studie des Deutschen Alpenvereins. Die Korrektheit dieser Untersuchung vorausgesetzt, seien von 46 Skigebieten in Bayern dann noch 9 Prozent natürlich schneesicher, 30 Prozent mit künstlicher Beschneiung schneesicher, 61 Prozent nicht mehr schneesicher. Für welchen Zeitraum diese Aussage zutrifft, bleibt offen.

Daraus veröffentlichte das Medium Spiegel online am 10. Februar einen Artikel mit der Headline „Regierung gibt zwei Drittel der deutschen Skigebiete verloren“. Zitiert wird ausschließlich der Grünen-Politiker Tressel, der pauschal behauptet, die Wintersportdestinationen hätten den Klimawandel verschlafen. Anschließend setzte unter dem Druck des Leitmediums und der Aktualität eine Welle der medialen Berichterstattung ein, die in großen Teilen an die vermeintliche Aussage der Bundesregierung anknüpften.

Was ist daran nicht korrekt?

1. Politisch und wirtschaftlich
Es dürfe keine Neuinvestitionen von öffentlichen Geldern in die Skiinfrastruktur geben, fordert der Abgeordnete Tressel. Doch: Der Wintertourismus im Sauerland ist gar keine subventionierte Branche. Von 100 Millionen Euro, die innerhalb von 12 Jahren in den Wintersport der Region geflossen sind, kamen 95 Prozent aus Mitteln privater Unternehmer. Die Bundesregierung betont völlig korrekt, dass sie darauf keinen Einfluss hat. Dies gilt sowohl für im Grunde stets sehr willkommene Investitionsfreudigkeit der Unternehmer als auch für die Subventionen des Landes. Die letzte Subvention in ein alpines Skigebiet ist im Winter 2006/2007 geflossen. Danach gab es lediglich eine kleinere Förderung der nordischen Ganzjahresangebote.

Die Betreiber der Skigebiete in der Wintersport-Arena Sauerland sind Unternehmer, die sorgfältige wirtschaftliche Berechnungen aufstellen, auf der Basis einer differenzierten Faktenlage. Ohne dies würde keine Bank Projekte in Millionenhöhe unterstützen. Eine Berechnung auf 30 oder 50 Jahre hinaus liegt diesen nicht zugrunde. Doch das würde keine einzige Wirtschaftsbranche leisten können. Es wird auch von keiner Branchen verlangt – außer offenbar vom Wintersporttourismus.

2. Methodische Probleme der Betrachtung
Die Antworten der Bundesregierung beziehen sich vorwiegend auf zwei Studien. Die Problematik dabei: Die OECD-Studie berücksichtigt in ihrer Auswertung keine Beschneiung, ist für die Bewertung der Situation in der Wintersport-Arena Sauerland also wenig aussagkräftig.

Der DAV-Studie liegt die Annahme einer Erhöhung der Temperatur von 1 bis 2 Grad im Mittel bis 2050 zugrunde. Die Anfrage der Grünen nach den Folgen einer Temperaturerhöhung von 2 Grad hingegen hat gar keine zeitliche Zuordnung und bleibt somit für die Beurteilung der Schneesicherheit völlig unkonkret. Zudem reicht alleine die Erhöhung der mittleren Lufttemperatur nicht, um realistische Schlüsse zu ziehen, da hier noch viele andere Einflussfaktoren mitspielen. Für die Beschneiung relevante Parameter wie Luftfeuchtigkeit, Inversionswetterlagen und eine Differenzierung zwischen Tages- und Nachttemperaturen sind gar nicht berücksichtigt.

Die Tatsache des Klimawandels und die damit verbundenen pauschalen Aussagen werden in den zugrunde gelegten Studien direkt auf den Wintersport-Tourismus übertragen. Die notwendige Differenzierung bei den prognostizierten Temperatursteigerungen nach Region und Jahreszeit wird nicht vorgenommen.

Ebenso bleiben wichtige Erfahrungen und Aufzeichnungen aus den Skigebieten völlig unberücksichtigt. Die Einschätzungen werden „über die Köpfe“ der Betroffenen hinweg getroffen und über deren Erkenntnisse gestellt.

– Die tatsächliche Entwicklung der Skigebiete widerlegt die These des Aussterbens der Skigebiete. Mithilfe der künstlichen Beschneiung hat sich die Saisondauer in den 2000er Jahren im Vergleich zum Zeitraum der 60er bis 90er Jahre deutlich erhöht. Trotz der weltweiten Klimaerwärmung liegt sie derzeit bei durchschnittlich 80 Tagen in beschneiten Skigebieten.
– Die gängigen Klimaszenarien betonen ausdrücklich, dass die 50 bis 100- Jahresprognosen mit großen Unsicherheiten in den zeitlichen und regionalen Auswirkungen behaftet sind. Im Klartext: Niemand weiß, ob das wirklich so eintrifft und wo es welche Ausprägungen gibt!
– Politisch motivierte Gutachten und Anfragen erzeugen mehrmals im Jahr eine Welle der medialen Aufmerksamkeit. Doch es gibt auch Wintersport-Fachstudien von unabhängigen, seriösen Instituten. Diese erlangen leider bei weitem nicht die gleiche Aufmerksamkeit. Genau diese aber lassen den Schluss zu, dass auch in den nächsten 20 bis 30 Jahren Wintersport erfolgreich in den beschneiten Skigebieten betrieben werden kann – auch in den Mittelgebirgen.

Die Beurteilung der Auswirkungen des Klimawandels auf Schneesicherheit und Wirtschaftlichkeit der Skigebiete ist ein anspruchsvolles, vielschichtiges Feld. Interdisziplinäre Forschung wird allerdings nicht betrieben. So bleiben die Erkenntnisse in weiten Teilen unbefriedigend.

Was ist daran gefährlich?

Die Wintersport-Arena Sauerland ist eine Region, in der der Tourismus große Bedeutung hat. Der Einsatz der Beschneiung zur Steigerung der Schneesicherheit und alle damit alle weiteren qualitätsverbessernden Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Zahl der Wintertouristen pro Saison auf 500.000 bis 1 Million angestiegen ist. Gerade im Kerngebiet sind die Orte darauf angewiesen. Der Winter-Tourismus sichert pro Jahr allein im Hochsauerland Umsätze in Höhe von 100 Millionen Euro. Davon hängen direkt oder indirekt rund 2000 Arbeitsplätze im Tourismus, Handel, Handwerk, Gewerbe ab.

Die Diskussion um den Klimawandel muss geführt werden, um Klima und Umwelt zu schützen. Sie einseitig auf dem Rücken der Skigebiete auszutragen, ist allerdings verantwortungslos und kann sehr schnell zu Lasten der Menschen gehen, die in der Region wohnen. Das ständige Propagieren von negativen Szenarien kann dazu führen, Menschen die Freude am Wintersport zu verderben, und Unternehmer davon abhalten, weiter in hochwertige Angebote zu investieren.

Die Wertschöpfung im Winter ist unter anderem durch den Verkauf von Tickets deutlich höher als die im Sommer, da dann eine weniger umsatzstarke Freizeit- Infrastruktur vorhanden ist. Beim Wandern oder Radfahren beispielsweise werden keine Eintrittsgelder erhoben. Zudem gibt es dabei kaum Alleinstellungsmerkmale. In der „grünen Jahreszeit“ ist die Region eine von 40 Mittelgebirgen, die diese Aktivitäten anbieten, in der weißen Jahreszeit aber eine von zehn.

Besonders brisant ist, dass der Häufigkeit und „Lautstärke“ der Diskussion geschuldet, der Energieverbrauch für die Beschneiung meist völlig überschätzt wird. So gut wie nie werden Vergleiche aufgestellt, selten Zahlen genannt, unter denen sich der Unbeteiligte etwas vorstellen kann. Ein Beispiel: Der Energieverbrauch der Erstbeschneiung der gesamten Wintersport-Arena (65 km Pisten) benötigt mit 2 Gwh so viel wie ein Hin- und Rückflug eines Flugzeuges mit 200 Personen in die Karibik (welches nach wie vor steuerbegünstigt Kerosin in die Umwelt bläst). Auf den beschneiten Pisten der Region haben hingegen 400.000 Wintersportler ihren Spaß am gesunden Sport.

Worauf setzen wir?

Der Diskussion um den Klimawandel täte mehr Sachlichkeit und Kompetenz gut. Emotionalität und Polemik richten seit Jahren zu viel Schaden an.

Den eigenen Fachleuten in der Region sollte mehr Kompetenz zugebilligt werden als Abgeordneten, die am Schreibtisch in Berlin die Lage in den Skigebieten beurteilen – und damit gezielt Politik machen. Die Mitglieder der Wintersport-Arena Sauerland können nicht in die Zukunft schauen. Sie betreiben aber ein intensives Klimamonitoring und beobachten sorgfältig die Ergebnisse neuer Studien und ihre möglichen Auswirkungen. Sie verfügen über hohe Kompetenz hinsichtlich Schneemanagement und Wirtschaftlichkeit.

Unter der Auflage der strengen Umweltgesetzgebung sind sie in der Lage, verantwortungsvolle und vorausschauende Entscheidungen zu treffen und die Vorhaben umzusetzen. Dabei sollten immer die Menschen und nicht das Pateiprogramm im Mittelpunkt stehen.

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